AUSTRALIEN-GESCHICHTEN
AUSTRALIEN-GESCHICHTEN

External Territory of Australia: Antarctica

Denkt der Normalbürger an Down Under, träumt er von sonnigen Stränden, wilden Outback-Abenteuern oder der einzigartigen Flora und Fauna. Kaum jemand kommt auf die Idee, dass auch die Antarktis fast zur Hälfte zu Australien gehört.

 

Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, dass die Kontinente zusammengehören! Beim Besuch des Torndirrup-National Parks an der Südküste Westaustraliens erhielt ich die Bestätigung: Voller Ehrfurcht berührte ich die 1160 Millionen Jahre alten Granit-Felsen. Die Stony Hill genannte Formation entstand durch Kollision der australischen mit der antarktischen Platte!

 

Urkontinent Gondwana / Quelle: United States Geological Service

Über die weiteren Plattenverschiebungen spekuliert die Wissenschaft: Nach der gängigen Theorie bildeten Afrika, Antarktika, Australien, Indien und Südamerika vor 200 Millionen Jahren den Urkontinent Gondwana.

Als Gondwana zerfiel, trieben Australien und Antarktika vereint in Richtung Süden. Auf beiden Kontinenten herrschte zu diesem Zeitpunkt tropisches Klima: Auf den Flächen wuchsen üppige Wälder und zahllose Tiere bevölkerten das Land. Einige Experten vermuten: ‚Ein Meteoriteneinschlag ließ vor 49 Millionen Jahren Antarktika und Australien wie Billardkugeln auseinanderbersten.‘

 

In der Folgezeit strömte Wasser zwischen die beiden Kontinente. Es entstand das Südpolarmeer, das die Antarktis noch heute umkreist. Ein Eispanzer überzog das ehemals fruchtbare Land. Mittlerweile beträgt die Distanz zwischen Australien und der Antarktis gut 3000 Kilometer.

 

Australische Antarktisstationen Mawson, Davis und Casey. Quelle: Australian Antarctis Division

 

Heute ist die Antarktis mit bis zu vier Kilometern dicken Gletschern bedeckt – in dem Eis sind 80 Prozent der weltweiten Süßwasserreserven gespeichert.

Von März bis September herrschen auf dem Eiskontinent Temperaturen von minus 60 Grad. Im Winter ist es tagsüber stockfinster – im Sommer geht die Sonne nicht unter.

Verborgen unter dem Eis liegen Seen und Berge: Mount Vinson ist mit 4.896 Metern so hoch wie der Mont Blanc. Der aktive Vulkan Mount Erebus erreicht mit 3.794 Metern die Höhe des Ätnas.

Tiere und Pflanzen sind in der feindlichen Umwelt nicht zu finden – selbst Eisbären ist es dort zu kalt. Lediglich in Ufernähe leben Robben und Pinguine. Moose bewachsen die kargen Felsen.

Die aktuellen Schlagzeilen stimmen nicht gerade ermutigend: ‚Gigantischer Eisberg abgebrochen!‘ oder ‚Das Ozonloch wird wieder größer.‘ Und: ‚China baut Antarktispräsenz aus.‘.

Spätestens jetzt fragt der Leser: „Und warum beanspruchen die Australier diese Eiswüste?“

 

Von Australien beanspruchtes Antarktis-Gebiet – Quelle: Australian Antarctic Division

 

Die Antwort liegt – wie so häufig – in der Vergangenheit: Bereits die Altgriechen vermuteten: ‚Zum Nordpol muss es einen Gegenpol geben!‘. Die Idee von Terra Australis Incognita war geboren.

Auf der Suche nach dem imaginären Land glaubten die Seefahrer zunächst, dass es sich bei diesem Südkontinent wohl um Australien handeln müsse. Doch Walfänger berichteten immer wieder von riesigen Eisschollen, die weiter südlich schwammen.

Letztlich entdeckte der Deutschbalte Fabian Gottlieb von Bellingshausen 1820 antarktisches Festland. Mit der russischen Expeditionscrew gelang ihm auch die Umsegelung des Eiskontinents.

In den Folgejahren trieben zahlreiche Nationen die Forschung voran. Schnell wurde klar: Im Gegensatz zum Nordpol (wo das Eis auf dem Meer schwimmt) ist der Südpol der fünftgrößte Kontinent der Erde – größer als Australien!

Fantasien von riesigen Bodenschätzen machten die Runde.

Das ‚Heroic Age‘ der Polarerkundung begann aber erst Anfang des 20. Jahrhunderts: 1911 gewann der Norweger Roald Amundsen das ‚Wettrennen‘ zum Südpol. Der britische Rivale Robert Falcon Scott und sein Team starben bekanntlich tragisch im ewigen Eis. Dennoch reizte es fortan die Entdecker, den letzten unentdeckten Kontinent der Erde zu erkunden: So untersuchte die Australasian Antarctic Expedition 1911 bis 1914 unter Leitung von Sir Douglas Mawson die Küste des Eiskontinents südlich von Australien.

Mit seinen Vermessungen schuf Sir Mawson die Voraussetzungen für die australischen Gebietsansprüche. Weitere sechs Staaten teilten sich den Rest des Antarktiskuchens: Argentinien, Chile, Frankreich, Großbritannien, Neuseeland und Norwegen.

Um die schwelenden Ansprüche vorerst auf Eis zu legen, schlossen die betroffenen Nationen 1959 den Antarktisvertrag. In dem Abkommen wurde die militärische Nutzung und Entsorgung von Atommüll auf dem Eiskontinent strikt untersagt. In Zusatzvereinbarungen kamen die Vertragsparteien und zahlreiche weitere Mitgliedsstaaten überein, bis zum Jahr 2048 keine Rohstoffe in der Antarktis abzubauen. Über die Gebietsansprüche soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.

Die BRD erhebt übrigens keine Ansprüche auf die Antarktis – obwohl Impulse zur Forschung durchaus von Deutschen kamen: So baute Georg von Neumayer 1857 mit Unterstützung des bayerischen Königs ein Observatorium in Melbourne, um hydrografische Studien der südlichen Hemisphäre zu betreiben. Als späterer Direktor der Deutschen Seewarte widmete sich Neumayer intensiv der Polarforschung. Einer seiner Schüler in Hamburg war Roald Amundsen. Heute ist die deutsche Antarktisstation nach Neumayer benannt.

Zwei weitere Aspekte sollen nicht unerwähnt bleiben: 1938/39 erkundete die geheime Deutsche Antarktisexpedition mit dem Schiff Schwabenland die Ostantarktis. Flugs wurde die Kolonie ‚Neuschwabenland‘ gegründet. Die Norweger schmetterten Gebietsansprüche umgehend ab. Dennoch halten sich Gerüchte, hochranginge Nazis hätten sich nach 1945 dorthin abgesetzt. Das Einzige, was von diesen Verschwörungstheorien belegbar ist, sind die von der Deutschen Antarktisexpedition mitgebrachten Kaiserpinguine im Berliner Zoo.

1976 baute die DDR mit Hilfe der Russen die erste deutsche Arktisstation. Die auf der Georg Forster-Station tätigen Forscher glaubten zunächst, die Meldung vom Mauerfall sei eine bewusste Falschmeldung der Stasi. 1993 wurde die Station auf Kosten der BRD abgebaut. Die Forschungsprojekte werden auf der besagten Neumeyer-Station fortgeführt.

 

Pinguine bewohnen die küstennahen Antarktis-Regionen – Foto: Australian Antarctic Division

 

Heute betreiben 30 Nationen 80 Forschungsstationen in der Antarktis. Bisher wurden wenige Geheimnisse des Eiskontinents gelüftet. Aufgrund der schweren Erkundungsbedingungen ist fraglich, welche Rohstoffe unter dem Eispanzer lagern. Geologen vermuten Diamanten, Gold, Uran, Eisen … Die Schätzungen beruhen auf Vergleichsrechnungen mit den Landflächen des Urkontinents Gondwana. Interessant sind sicherlich auch die Offshore-Ressourcen von Erdöl und Gas. Fische und Bioprodukte wie Krill gibt es in den nährstoffreichen Polargewässern reichlich. Skeptiker beäugen daher die Arbeit einiger Forschungsteams mit Misstrauen.

 

Wie dem auch sei, Australien ist gut gerüstet: Die Regierungsbehörde Australian Antarktic Division in Kingston/Tasmanien beschäftigt 300 Mitarbeiter. Drei Forschungs-Stationen werden betrieben. Derzeit wird ein Flughafen in der Antarktis geplant, um ganzjährig Flüge zu ermöglichen. Der ‚Außenbereich‘ hat die Postleitzahl 7151, Telefon-Vorwahl +673 und die Domain aq.au. Auf dem Gebiet gilt der australische Dollar und Queen Elizabeth II. ist die Monarchin des Australian Territorry Antarktika. 

 

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