AUSTRALIEN-GESCHICHTEN
AUSTRALIEN-GESCHICHTEN

Neues aus dem Alten Land

Vom 6. April für die Woche #14 / 2020

 

Winterzauber im Alten Land

 

von Klaus Kilian

 

Die Borsteler Mühle wirkte diese Woche wie mit Puderzucker bestreut.

Vor 900 Jahren bauten Holländer Deiche von Cuxhaven bis Hamburg. Die Siedler trotzten den Sturmfluten der Elbe.

Im ewigen Kampf gegen die Naturgewalten entstand in vielen Generationen das größte Obstanbau-Gebiet Europas. Die Altländer sind zu Recht stolz auf ihre Heimat. -

 

Aber auch die höchsten Deiche schützen nicht vor Viren!

 

 

Nach der künstlichen ‚Eiszeit‘ in der letzten Woche, verzauberte die Natur erneut die Landschaft: Norddeutschland erlebte den Winterzauber im Frühjahr. Was ein paar Schneeflocken bewirken, zeigen die Fotos aus der Galerie der Gemeinde Jork. – „April Fool“, lästerte ein Kollege mit Blick auf die Bilder. Doch Aprilscherze sind in Corona-Zeiten wohl nicht angebracht.

Dafür schmunzelten viele Freunde über diese Geschichte: Ein Flugzeug mit fünf Passagieren droht abzustürzen – leider gibt es nur vier Fallschirme: Trump brüllt: ‚Ich bin der wichtigste Mann der Welt‘, greift den erstbesten und jumpt. Johnson behauptet, er müsse England retten, schnappt den zweiten und stürzt raus. Putin salutiert: ‚Russland braucht mich‘ – nimmt den dritten und springt. Frau Merkel bietet der verbliebenen Zehnjährigen an: ‚Ich habe mein Leben gelebt, du hast es vor dir…‘. Die Göre entgegnet kess: ‚Keine Sorge, es sind zwei Fallschirme übrig! Der wichtigste Mann der Welt ist mit meinem Schulranzen gesprungen.‘

 

Schlagzeilen: Die Lage in Supermärkten entspannt sich … Im Straßenbau wird weitergearbeitet … Landfrauen nähen Schutzmasken … Auszahlung der Soforthilfen läuft an … Bonus für alle Pflegekräfte … Hallenbäder öffnen für Obdachlose … Schulen und Universitäten unterrichten online … Bundespräsident Steinmeier ruft zut Solidarität auf … Prinz Charles hat Covid-19 überstanden … Die Oster-Staus fallen wohl aus!

Respektlos: Särge als Aufmacher der BILD-Zeitung … In Fake-News werden Migranten als Virusträger gebrandmarkt … Idioten setzen 300 Strohballen in Brand … Gewalt gegen Frauen und Kinder … Trotz Corona Mieterhöhungen im städtischen Wohnungsbau … Stars feiern Party auf ZDF-Traumschiff!

Leserbrief-Auszug aus dem ‚Altländer Tageblatt‘: „…Die gegenwärtige Krise zwingt uns, innezuhalten, nachzudenken und uns bewusst zu machen, dass wir alle nur Gäste auf Erden sind…!“

 

Ein Freund prahlte am Telefon: „Komme gerade mit Bärbel aus dem Garten! Wir haben nach dem Luther-Motto geschuftet: ‚Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen!‘“ – Mehr Hoffnung geht nicht, welche Zuversicht!

Wenn da nicht ein Haken wäre: Der Mann aus Eisleben hat den Satz nie geschrieben! Luther-Forscher gestanden jüngst, der Spruch stamme wohl aus China! Wollen Sie also deutsche Weisheiten zitieren, singen Sie besser das Lied von Reinhard Mey: „Wenn alle Hoffnungen verdorr‘n, mit dir beginn ich ganz von vorn. Und Unerreichbares erreichen, ja ich kann’s! Du bist das Apfelbäumchen, das ich pflanz.“ – Auch nicht schlecht!

 

Anfang der Woche postete ich in diversen Facebook-Gruppen die Anfrage einer besorgten Mutter: Ihr Sohn sitzt als Backpacker in Australien fest. Die Hamburgerin macht sich große Sorgen ... In dem Beitrag erinnerte ich an das Jahr 1939 – damals nahmen Mitglieder der St. Patricks-Gemeinde in Melbourne die in den Kriegswirren in Down Under gestrandeten Wiener Sängerknaben auf. Einer der Knaben war übrigens Stefan Haag, der spätere Bariton-Star der National Opera. Mein Appell: „Kann die deutschsprechende Gemeinschaft der Mutter helfen?“

Mit dieser Frage löste ich in den australischen Netzwerken eine Diskussion aus, die nach 150 Kommentaren endete. Krasseste Reaktionen: ‚Jetzt, wo jeder Dumme merkt, dass es im Ausland in Krisensituationen nicht so cool ist, kommt der Hilfeschrei ...‘. Und: ‚Dem Bub sollte man mal den Hintern versohlen …‘. Ich haute verbal dazwischen: 'Die Sorgen der Mutter interessieren EUCH nicht?'.

Es folgten versöhnliche Töne: ‚Die Situation ist anders als 1939! Alle Clubs, Kirchen usw. haben heute geschlossen und man darf keine Fremden aufnehmen.‘ oder: ‚Viele Ausgewanderte stehen vor der Arbeitslosigkeit. Unser soziales Netz ist durchlässiger als das in Deutschland!‘ und ‚Manche reagieren negativ auf die jungen Reisenden, weil sie die Backpacker als Virus-Träger fürchten.‘. Nach etlichen 'Mahnungen' erhielt die Mutter endlich hilfreiche Tipps. – Dafür sagte ich herzlichen DANK!

Kurz darauf las ich in meiner Zeitung die Prognose einer Frau, die den 102. Geburtstag feierte: „Die Corona-Pandemie wird schlimmer als der Weltkrieg!“ – Hoffen wir, dass die Dame nicht Recht behält!

Lassen Sie uns auf jeden Fall zwei Tugenden beherzigen:

Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft!

 

Die Fotos zur heutigen Kolumne stammen von der Homepage www.jork.de

Herzlichen Dank für die freundliche Genehmigung  aus dem Rathaus - insbesondere an Frau Kelch!

 

Die Geschichte des Gräfenhof geht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Seit 1980 nutzt die Gemeinde Jork das Gebäude als Rathaus

 

Reaktionen: Wie die aktuelle Diskussion in Australien zeigt, habe ich mit dem letzten Absatz meines Artikels wohl in ein Wespennest gestochen! 

 

"As much as it's lovely to have visitors to Australia in good times,

at times like this, if you are a visitor in this country,

it is time … to make your way home."  Premierminister Scott Morrison!

 

Nach einem Treffen mit dem nationalen Kabinett sagte Premierminister Scott Morrison, dass es für diejenigen, die aufgrund verschiedener Visaregelungen in Australien sind und sich nicht selbst versorgen können, nur die Alternative gibt, in ihre Heimatländer zurückzukehren: „Australien muss sich auf seine Bürger konzentrieren, um sicherzustellen, dass wir die wirtschaftliche Unterstützung, die wir haben, maximieren können." Mr. Morrison wies darauf hin, dass Studenten, die nach Australien kommen, in den ersten 12 Monaten in der Lage sein müssen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Es gibt mehr als 500.000 internationale Studenten in Australien, von denen viele während der Pandemie ihren Arbeitsplatz verloren haben. Der Premierminister erklärte, dass es Ausnahmen geben soll: Für die Backpacker, die Krankenschwestern oder Ärzte sind oder andere wichtige Fähigkeiten haben, die uns in dieser Krise helfen können, gibt es Chancen!

 

Touristen und Backpacker müssen nach HauseAlan Tudge

 

In Australien halten sich derzeit gut zwei Millionen Ausländer mit unterschiedlichen Visatypen auf. Darunter Studenten, Facharbeiter und Touristen. Sie seien «außerordentlich wertvoll für die australische Wirtschaft und den Lebensstil», betonte der geschäftsführende Einwanderungsminister Alan Tudge. Dennoch: «Inhaber befristeter Visa, die sich die kommenden sechs Monate nicht selbst durchbringen können, werden dringend gebeten, nach Hause zurückzukehren.» Auch die gut 200'000 Touristen müssten so schnell wie möglich in ihre Heimatländer ausreisen… Etwa 118'000 Rucksackreisende halten sich derzeit dem fünften Kontinent auf. Ein Drittel davon sind den Angaben zufolge Deutsche. Diese besitzen den Visatyp «Working Holiday». Der Typ erlaubt Arbeiten in einem begrenzten Rahmen, beinhaltet aber keine Absicherung etwa gegen Arbeitslosigkeit. Diese Touristen könnten ihre Visa unter bestimmten Bedingungen verlängern. Nämlich wenn sie in Bereichen wie Gesundheitswesen, Altenpflege, Kinderbetreuung... arbeiteten, so Tudge weiter… Die etwas 565'000 internationalen Studenten rief die australische Regierung auf, sich auf privatem Wege Mittel zu suchen. Und so finanziell durch die Wirtschaftskrise zu kommen. Solche Studienaufenthalte sind für Australien ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

 

'Disappointing to see international students being disregarded'CISA

 

Der Council of International Students Australia (CISA) sagte, die Kommentare des Premierministers hätten viele Studenten ohne Hoffnung gelassen: "Aufgrund der in vielen Ländern durchgesetzten Sperrmaßnahmen können viele Studierende derzeit nicht nach Hause zurückkehren, so dass sie täglich mit Problemen zu kämpfen haben. Wenn COVID-19 vorbei ist und wir wieder in unsere Routine zurückkehren, wird Australien wieder mit der Vermarktung seines Bildungssektors beginnen. – Warum sollten internationale Studenten in Erwägung ziehen, hierher zu kommen, wenn die derzeitigen Studenten so behandelt werden? CISA erklärte, dass die Studenten zur australischen Wirtschaft beitragen und auch Steuerzahler sind und daher fair behandelt werden sollten. "Es ist enttäuschend zu sehen, dass internationale Studenten missachtet werden. Es gibt vieles, was über monetäre Angelegenheiten hinausgeht, das bedacht und angesprochen werden muss und nicht mit den Achseln gezuckt werden sollte".

 

Das Dilemma, in dem sich die internationalen Studenten befinden, wurde auch von Northern-Territory-Chefminister Michael Gunner umrissen. Er sagte, viele seien ‚durch das Raster gefallen‘. Sie haben keinen Anspruch auf Geld von der australischen Regierung. Sie können im Moment keinen Job bekommen. Sie können nicht nach Hause fliegen, da es keine Flüge gibt. Und viele Eltern befinden sich in finanzieller Notlage ...

 

Die Charles Darwin University (CDU) hat ein COVID-19-Studentenhilfe-Zuschussprogramm, das allen nationalen und internationalen Studenten in finanzieller Notlage bis zu 2.000 Dollar bietet: „Unsere Studenten sind stark betroffen, weil ihre Teilzeit- oder Gelegenheitsjob verschwunden sind. Die Uni hat einen Emergency Student Appeal eingerichtet, für den die CDU-Stiftung bereits 200.000 Dollar zur Verfügung gestellt hat.

 

Study NT, eine Regierungsbehörde, die die internationale Ausbildung im Northern Territorium fördert, ermutigt betroffene Studenten, über Territory Jobs Hub, der für Inhaber eines befristeten Visums offen ist, nach Arbeit zu suchen... Ein Sprecher des Ministerpräsidenten erklärte, dass internationale Studenten, die eine Notunterkunft oder Verpflegung benötigen, betreut würden... Eine Sprecherin des Bundesministeriums für soziale Dienste sagte, dass den Inhabern eines befristeten Visums, die sich in einer erheblichen finanziellen Notlage befinden, eine gewisse Sozialhilfe zur Verfügung stehe. Sie sagte auch, dass die Vorschriften, die von internationalen Studenten verlangen, nicht mehr als 40 Stunden pro zwei Wochen zu arbeiten, für diejenigen gelockert worden seien, die in Supermärkten und Altenpflegeeinrichtungen beschäftigt sind.

 

Und so berichtet die 'Woche' am 7. April  2020: 

 

 

Interessieren SIE sich für die weitere Diskussion:

die Facebook-Gruppe 88daysandcounting verfolgt das Thema weiter und gibt Hilfe! 

 

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