AUSTRALIEN-GESCHICHTEN
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Neues aus dem Alten Land

Vom 19. April für die Woche #16 / 2020

 

 

 

Von York nach Jork 13.887 Kilometer

 

Klaus Kilian

 

Die Jorker sind stolz auf die Heimat im Herzen des Alten Landes – 30 Kilometer südwestlich von Hamburg.  Schließlich wurde der Ort erstmals 1221 offiziell urkundlich erwähnt. Heimatforscher vermuten, der Name entwickelte sich aus Mayorka – abgeleitet aus dem Niederdeutschen ‚gor‘ für Schlick.

 

Wesentlich älter ist allerdings das York im Norden Englands! Die Römer bauten an dem Platz 71 n. Chr. ein Lager für die IX. Legion. 306 n. Chr. wurde Konstantin der Große dort von den Truppen zum Kaiser ausgerufen. Wikinger nannten die Siedlung Jórvik, bevor Normannen 1066 die Stadt York tauften.

 

Die Town Hall von York. Foto: Ann Schall – visit.york.wa.gov.au

Zwar einige Jahrhunderte später, aber Australien hat auch ein York zu bieten!

 

Bei den Expeditionen ins Outback erinnerte die Kolonisten das Land der Ballardong-Aborigines an ihre Heimat in Yorkshire1831 gründeten sie dort die erste Inland-Siedlung in Westaustralien (97 Kilometer östlich von Perth) und gaben ihr den Namen York.

 

Ich habe mir fest vorgenommen: Nach Corona-Krise werde ich das bezaubernde 3.606-Seelen-Städtchen wieder einmal besuchen!

 

Einer der verehrten Dichter im Alten Land bei Hamburg ist übrigens Gotthold Ephraim Lessing: Er heiratete 1776 in Jork! Doch nicht nur deswegen ist er mein schriftstellerisches Vorbild! Ich liebe seine Ironie, die witzige Polemik und das Stilmittel des Dialogs. Lessing schrieb Lustspiele, wie Minna von Barnhelm. Er trauerte in Emilia Galotti. Im Drama Nathan der Weise plädierte er für Humanismus und Toleranz. Zitiere ich zuhause meinen Lieblingsspruch von Lessing ‚Alle großen Männer sind bescheiden!‘, erwidert meine Frau stets, ‚stell‘ bitte mal die Aschentonne raus!‘ – Bleiben wir also bescheiden!

 

Covid 19 hat die Welt verändert, aber der jährliche Check beim Arzt in Hamburg muss sein! Bei herrlichem Sonnenschein herrscht in der City trübe Stimmung: Der Jungfernstieg wirkt ohne die geschäftigen Menschen wie ein Friedhof. Alsterhaus, Luxusläden, Shops und Imbissbuden sind geschlossen. Bauarbeiter werkeln rund um die Binnenalster. Der Blick auf die Inschrift über dem Rathausportal macht mich nachdenklich: ‚Die Freiheit, die errungen die Alten, möge die Nachwelt erhalten!‘  Bevor mich Trübsal übermannt, lächle ich lieber über die Graffitis, die ich auf dem Weg in die Stadt las:

 

‚Der Tod ist für einen selbst nicht schlimm, weil man ja tot ist. Schlimm ist er für die anderen! Genauso ist es übrigens, wenn man doof ist.‘

 

‚Was grenzt an Dummheit? Kanada und Mexiko!‘

 

‚You can’t quarantine love!‘

 

‚Ihr denkt, die Klopapier-Nummer war verrückt? Wartet mal ab, wenn 40 Millionen Frauen gleichzeitig einen Friseur-Termin haben wollen!‘

 

Am Samstag ruft ein Freund an: „Ich habe die ganze Woche nach dem Luther-Motto im Garten geschuftet: ‚Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen!‘“ – Mehr Hoffnung geht nicht, welche Zuversicht!

Wenn da nicht ein Haken wäre: Der Mann aus Eisleben hat den Satz nie geschrieben! Luther-Forscher gestanden jüngst, der Spruch stamme wohl aus China! Wollen Sie also deutsche Weisheiten zitieren, singen Sie besser das Lied von Reinhard Mey:

 

„Wenn alle Hoffnungen verdorr‘n,

mit dir beginn ich ganz von vorn.

Und Unerreichbares erreichen, ja ich kann’s!

Du bist das Apfelbäumchen, das ich pflanz.“

– Auch nicht schlecht!

 

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