Meine Australien-Impressionen
Meine Australien-Impressionen

Savannah Way

Für 'AUTO BILD alles allrad' auf dem Savannah Way.

 

Die Strecke von Broome nach Darwin über die Gibb River Road hatten wir zuvor bereist. 2005 führte uns der Weg von Cairns über Normanton nach Burketown. In Hells Gate machten wir Zwischenstation auf dem Weg nach Borroloola. Von dort aus ging es weiter (nach einer unvergesslichen Nacht im Heartbreak Hotel) in Richtung Katherine. Die Reise endete in Darwin.

 

Unser Gesamturteil: Drei Wochen sind zu kurz!!! 

 

Hier ist mein Original-Manuskript:

 

„Wenn du dich so fühlst, wie du auf dem Führerscheinfoto aussiehst, solltest du die Tour erst gar nicht antreten!“, sind die Grußworte des Autovermieters in Cairns. „Vor dir liegen 3.600 Kilometer, von denen du dein Leben lang träumen wirst!“

 

Bede McCormick hat Recht! Dreiundzwanzig unvergessliche Tage australisches Outback: Tiere, Pflanzen, Landschaft und Menschen, wie wir sie in unseren Breitengraden nicht kennen. Offroad-Touren, die in Mitteleuropa undenkbar sind: Bis zu zehn Flussdurchquerungen am Tag verlangen dem Fahrer alles ab. Am Ende der Tour ist jedes Kleidungsstück von rotem Staub durchsetzt. Gut, dass wir nicht noch weiter bis Broome fahren! Aber es war schön.

 

Die ersten 329 Kilometer der Strecke sind zum Eingewöhnen. Einerseits ist es gut, dem Touristen-rummel zu entgehen, andererseits ist der Toyota-Landcruiser, Basismodell 100, Baujahr 2003 mit einem Tachostand von 85.000 km gewöhnungsbedürftig. Die Knüppelschaltung links, das Steuerrad rechts und Abmessungen inklusive Bullbar, die an einen LKW erinnern. „Keine Sorge, der Wagen bringt dich sicher nach Darwin!“, baut mich Eddie Wallace, der Werkstattbesitzer in Mount Surprise nach kurzem Blick unter die Motorhaube auf: „Kaum Elektronik, robuste Maschine und ein Kilometerstand, bei dem die Kinderkrankheiten ausgestanden sind. Mit diesem Wagen fahren wir spielend 500.000 Kilometer und dann dient er als Ersatzteillager.“

 

Auf den nächsten 694 km verlangt die Strecke dem Fahrer erste Offroad-Kenntnisse ab. Schade, dass wir nicht sofort den Burke-Developement-Way gefahren sind: „800 km Staub!“ erklärt Jack Gardner eine der zahlreichen Alternativrouten des Savannah Ways. Jack ist einer der „gelben Engel“ des Outbacks. Für einen Automobil-club hilft er Touristen aus Sydney und Melbourne: „Die fahren mit ihren Pajeros und Pathfindern 3.000 km Asphalt, schlucken einmal Staub und glauben ihr Auto braucht dringend eine Inspektion.“

 

Aber auch mit deutschen Touristen hat Jack Erfahrungen gesammelt: Zwei junge Burschen meldeten sich von einer Farm im 250 km entfernten Dorunda. Der in Sydney für $ 500  erstandene Holden hatte seinen Geist aufgegeben und war irreparabel. Als Jack nach fünf Stunden Staub die Rechnung schreiben wollte, präsentierten ihm die Burschen ihren ADAC-Mitgliedsausweis und riefen für ihn unverständlich: „Wir sind Stars, holt uns hier raus!“ „Solche Leute sehen wir leider häufig!“, erklärt 337 km weiter Phil Harris auf dem Campingplatz in Burketown. Phil ist Mitglied des 4WD-Clubs in Südaustralien: „Viele Leute unterschätzen das Outback: Das Handy funktioniert nur auf  vier Prozent der gesamten australischen Fläche, überwiegend an der Küste. Öffentliche Telefonzellen gibt es selten, daher sind unsere Offroader ausgestattet mit CB-Funk und High Frequency Radio mit Notruf-Frequenz. Satelliten-Telefone sind teuer und funktionieren nicht immer – auf jeden Fall sollten Offroader die GPs-Koordinaten ihrer Tour kennen.“

 

Bei dem kleinen Abstecher (350 km) nach Gregory Downs gehen mir Phils Worte nicht aus dem Kopf:  Reicht der Diesel in den zwei 90-Liter-Tanks? Der Motor verbrennt auf dem Offroad-Track mehr als 20 Liter. Was tun, wenn in dieser Einöde etwas passiert? Dabei übersehe ich fast die wunderschöne Landschaft, die hüpfenden Känguruhs und die rauschenden Wasserfälle. Am Ende des „Abstechers“ erreichen wir die Aboriginal-Siedlung „Doomadgee“, mir fällt ein Stein vom Herzen. Der Anblick der Ureinwohner und deren Behausungen ist traurig, aber wir sind in der Zivilisation und bei freundlichen Menschen.

 

Nach 225 km ist Hell’s Gate erreicht. Bis zu diesem Punkt wurden die Siedler vor 100 Jahren von einer Polizeieskorte begleitet. Die weiteren 1.000 km bis nach Katherine waren sie auf sich gestellt. – Für viele Wagemutige das Tor zur Hölle … Uns empfängt Allan, der mit seiner Mutter das Roadhouse und 2.500 Rinder versorgt. Einsilbig sagt er: „Ach, wenn du dich umsehen willst, in den Felsen gibt’s Aboriginal-Zeichnungen. - Ich glaub’ die sind an die 40.000 Jahre alt.“ Jeder Ethnologe wäre ausgeflippt, aber Allan kümmert sich lieber um seine Kühe …

 

Von den unvergesslichen Tagen im Outback bleibt mir Freitag, der 13te, ewig in Erinnerung. Um 4 Uhr nachts weckt mich meine Frau mit Unterleibskrämpfen: Aspirin und die üblichen Mittel aus der Notapotheke versagen die Wirkung. Kurze Beratung: Ich wecke Allan. Ob die Flying-Doctors kommen, kann er nicht versprechen. Das nächste Krankenhaus ist 328 km entfernt  Allans Rat: „Die Straße ist zwar schlecht, aber ich würde es riskieren!“

 

Meine Frau ist einverstanden. Wir warten bis zum Sonnenaufgang um sieben Uhr. Kurzer Wagencheck - auf geht’s: Die ersten 70 km schaffen wir besser als erwartet in einer Stunde. Um 8.30 Uhr der erste 50 cm tiefe Fluss. 8.37 der zweite Fluss: Carin’s Creek, 80 cm tief, ein unsichtbarer Fels im Wasser reißt mir das Lenkrad aus den Händen – kurzer Halt: Die Reifen sind o.k. - meine Frau hält sich tapfer.

 

Bis 9.00 Uhr haben wir fünf Dingos, 30 Wildpferde, aber noch kein Auto gesehen – 150 km geschafft. 9.13  Surprise Creek – 70 cm tief. 9.23 Crocodile Creek – 1 Meter? – das Wasser reicht bis zu den Seitenfenstern, die Dichtungen halten. 9.53 Robinson River – 30 Meter breit, aber nur 40 cm tief,  keine Befestigung.

 

Mitten im Aboriginal-Reservat Garawa kommt mir der Gedanke: „Ob uns die Ureinwohner auch retten würden, wie 1848 den deutschen Entdecker Ludwig Leichard?“ und mir fallen die Worte von Phil Harris ein: „Aborigines sind wie Krokodile: Du siehst sie nicht – aber sie sehen dich!“.

 

10.18 - Vor uns die Staubwolke eines Autos. Entscheidung: Überholmanöver ohne Sicht, Beschleunigung auf 80 km/h,  roter Sand, fast geschafft: Vollbremsung – das erste entgegen-kommende Fahrzeug, ausgerechnet jetzt. 10.25 zweiter Versuch, 85 km/h, Überholmanöver geschafft: – Vollbremsung: 20 Meter Sturzflug zum Folley-River! 10.30 Pause: Wasser, Apfel und Entschuldigung beim überholten Fahrer. 10.45 Weiterfahrt auf sandiger Piste. Die Wagen schwimmt - wie bei Aquaplaning. Die Konzentration lässt nach: Anfängerfehler, Bremse – der Wagen steht quer, Schock - nichts passiert!

11.14 – 280 km geschafft: Tempo! Ein Breitschwanzadler mit 1,50 Meter Spannweite verteidigt sein Aas auf der Piste. Vollbremsung, der Adler steigt hoch, knallt gegen den Bullbar und reißt die Radioantenne ab, die Windschutzscheibe bleibt unbeschädigt. – Tut mir leid, kleiner Freund …

 

Die letzten 30 Kilometer fahren wir durch dichten Qualm – Buschbrand. Am Ortseingang von Borroloola (600 Einwohner) warnt uns ein Schild: „Gravel Road, passen Sie Ihre Fahrweise den Strassenbedingungen an!“ Welch ein Hohn!

 

11.45 Hospital Borroloola: Die Schwestern Emma und Tracy kümmern sich fürsorglich um meine Frau, die ihre Infektion und das Abenteuer gut überstanden hat. Hell’s Gate war das Tor zum Himmel! „Steve“ (so habe ich den Landcruiser getauft) ist nun mein bester Freund.

 

Die Rückgabe des Toyota in Darwin erfolgt reibungslos. Rhett Walsh, Regionalmanager, beantwortet meine Fragen: „Unsere 4Wheelers sind mit Spezialreifen ausgestattet. Die Kelly’s halten 70.000 Kilometer. Fabrikreifen würden so eine Fahrt nicht überstehen!“

 

Zum Abschied streichle ich dankend Steve, der uns sicher nach Darwin gebracht hat. Aber warum „Steve“? „Das ist der Name des Truckdrivers, der den Wagen nach Cairns gebracht hat, den schreiben wir immer in die Windschutzscheibe“, erklärt der Regionalmanager: „Und sagen Sie den Leuten in Europa, sie sollen sich beeilen, auf den Savannah Way zu kommen, in fünf Jahren sind die Offroad-Strecken auch hier geteert ...“